Literaturwissenschaftliche Netzwerkanalyse

4er-Netzwerk

+++ Aktuell: Die Projektdokumentation erfolgt seit Sommer 2015 nur noch hier: https://dlina.github.io/ +++

Die Arbeiten zu einer literaturwissenschaftlichen Netzwerkanalyse (liNa), mit denen ich in seit etwa 2012 befasst bin, stehen im Kontext aktueller Tendenzen zur Empirisierung und Computerisierung der geisteswissenschaftlichen Forschung (›Digital Humanities‹), die sie aufgreifen und denen sie durch den Import von Methoden aus der Social Network Analysis (SNA) weitere Impulse geben wollen. Aus der SNA wird dabei – neben konkreten Verfahren der Datenerhebung, -aufbereitung und -auswertung – ein spezifischer Blick auf Strukturen übernommen, die nicht als Systeme oder Felder konzeptualisiert werden, sondern als Netzwerke. Dies hat u.a. zwei Konsequenzen: Zum einen lassen sich Netzwerke nur empirisch und d.h. in einem strikt regelgeleiteten und transparenten Forschungsprozess erfassen; Vorannahmen etwa über die Funktionsweise von Feldern oder über Organisationslogiken von (sekundär semiotischen, autopoeitischen etc.) Systemen werden damit zunächst weitgehend ausgeschaltet. Zum anderen ermöglicht die Netzwerkanalyse ein reflektiertes und differenziertes Verständnis von Relationen: Werden diese in der Literaturwissenschaft, etwa durch Bezug auf semiotische Theorien, häufig im Sinne eines verengenden Konzepts der Differenzialität (Opposition, Agonalität usf.) begriffen, so geht die Netzwerkanalyse von einem weiten und flexiblen Konzept der Relationalität aus, das wesentlich stärker auch kooperative oder affilative Relationen berücksichtigt.

Teilprojekt liNa I: Figurenstrukturen in Dramen

Ziel des Projekts ist die Entwicklung digitaler Analysetechniken, mit denen sich diverse netzwerkanalytische Daten zu Figurenstrukturen in dramatischen Texten erheben und auswerten lassen. Möglich werden soll damit ein emprisch exakter und literaturhistorisch aufschlussreicher Blick auf die Kompositionsstrukturen von Dramen, wobei die Analyse eines Korpus aus einer dreistelligen Zahl von deutschen Dramen angestrebt ist.

    • Erfolgt ist bisher (Stand: Frühjahr 2014) eine literaturtheoretische Klärung, eine Sichtung der Forschung sowie ein erster, noch händisch durchgeführter Testlauf, der einen ersten Eindruck vom Potenzial (wie auch von der Tradition) netzwerkanalytischer Methoden im Kontext der Dramenanalyse geben soll. Die Ergebnisse wurden im folgenden Aufsatz publiziert:

      • Peer Trilcke: Social Network Analysis (SNA) als Methode einer textempirischen Literaturwissenschaft, in: Philip Ajouri, Katja Mellmann u. Christoph Rauen (Hg.): Empirie in der Literaturwissenschaft, Münster 2013, S. 201-247. – Einen Auszug des Aufsatzes können Sie hier lesen.
    • Aktualisierung, Sommer 2014. Mittlerweile erarbeiten Frank Fischer (GCDH Göttingen), Dario Kampkaspar (HAB Wolfenbüttel) und ich einen computerisierten Datenanalyse- und Datenaufbereitungsablauf: skriptbasiertes Auslesen von Interaktions-Netzwerken aus Dramen im xml-Format, Ausgabe in Listen (.csv); statistische Auswertung (Erhebung basaler netzwerkanalytischer Daten auf graphentheoretischer Grundlage); Visualisierung (automatisiert, igraph-Package). Darüber hinaus diskutieren wir intensiv Fragen der Korpusgestaltung, insbesondere auch Fragen der TEI-Codierung von Dramen. Siehe auch hier http://www.peertrilcke.de/digitale-lina/


  • Darüber hinaus wurde das Projekt in mehreren Vorträgen präsentiert



    Teilprojekt liNa II: Literatursoziologie des Internets

    Ziel des Projekts ist die netzwerkanalytische Erforschung der spezifischen Strukturen und Mechanismen der digitalen, webbasierten Kommunikation über literarische Texte (›sekundäre literarische Kommunikation‹). Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Differenzierung der Kommunikationsformen und -weisen, die jeweils unterschiedliche soziale Kommunikationsgemeinschaften konstituieren. Die Arbeiten erfolgen im Umfeld des Göttinger DFG-Graduiertenkollegs 1787 ›Literatur und Literaturvermittlung im Zeitalter der Digitalisierung‹. Erste konzeptionelle Überlegungen sowie eine empirische Studie zu einer sozialen Formation auf Basis von Blog-Software (d.h. zu einem sog. ›Blogotop‹) sind als Aufsatz erschienen.


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