digital poetics.
studies

Man hat mich zum Colloquium »Zukünfte der Dichtung« auf dem 16. Poesiefestival in Berlin (21. Juni 2015) eingeladen. Ich darf dort als Vertreter der Wissenschaft an einer Sektion mit dem Thema ›Dichtung und Digitalisierung‹ teilnehmen, »Mehr als ein Text« ist der Titel.

Zur Vorbereitung habe ich ein paar Texte gebastelt (hier geht’s gleich zu den Materialien), genauer: Ich habe frei verfügbaren Webcontent – Beiträge auf den Seiten der Poetry Foundation – von Kenneth Goldsmith, einem Teilnehmer der Sektion, zusammenkopiert, das Korpus dann in einige digitale Textanalyse-Tools eingespeist und deren Ausgaben auf verschiedene Weisen ediert, gelayoutet und publiziert (Twitter, Facebook, html .. und Einzelnes auch als A2-Poster-Serie).

Durch den Kopf ging mir dabei einiges von dem, was sich in einer Vorlesung zur Genrepoetik entwickelt hatte. In einer der Sitzungen (und sozial medial begleitend) hat z.B. Daniela Seel, u.a im Rahmen eines Telefoninterviews, einiges ausgelöst mit ihrer Reflexion der Performativität von Genrebegriffen, da würde ich gern weiterdenken. Wirksam war sicher auch eine Idee, von der mir Annette Gilbert mal bei einem Mensamahl (war es glaube ich) erzählt hat, dass nämlich nicht wenige der digital humanities- und distant reading-Tools, mit denen man heute arbeiten könnte, im Prinzip auch für die Herstellung von Poesie verwendet wurden und werden, teils für eine dezidiert elektronisch-berechnete Textherstellung, aber auch in der händischen Algorthmisierung von Dichtung, durch das Auferlegen von formalisierten Textverfertigungs- und Textberechnungsregeln. Und ich erinnere mich an die Lektüre von Janet Boatins Buch über die Interferenzen zwischen Informationsästhetik und Dichtung.

Zwei Ideen: die Performativität von Genrebegriffen (wie etwa Dichtung, Poesie), und die historische Poetizität von algorithmisierter Textbeobachtung – und, daraus sich irgendwie ergebend, die Frage, wie performativ eigentlich die algorithmisierte Arbeit der Textanalyse ist, wie etwa die Programme sich – nicht selten als Code – in die Textbeobachtung einschreiben.

Das in etwa ging mir durch den Kopf bei der Bastelei. Dabei ging es mir darum, diese performativen und prozessualisierten Akte und Situationen, aber auch die Geschichte und die Geschichten, die in ihnen operieren, nachzuvollziehen; es ging mir darum, die Prozesse selbst durchzuführen. Also in actu die Grenze zwischen wissenschaftlicher und ästhetischer Handhabung dieser Textbeobachtungstechniken zu beobachten.

Das Ganze ist also nur in Teilen eine wissenschaftliche Auseinandersetzung. In anderen Teilen ist es eine eher handwerklich verspielte Annäherung an die Frage, was »digital poetics« / »Digitale Poetik« sein könnte/n: als reflexive Praxis und als Gegenstand der wissenschaftlichen, digital-instrumentierten Beobachtung.

Eine Antwort habe ich nicht gefunden. Aber unten stehen ein paar Links zu den Materialien, die im Prozess entstanden sind.

 

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fig

digital poetics. studies

distant reading kenneth goldsmith

[twitter project] #d_read_kg. digital poetics in 35 tweets

[html project] ./d_read_kg. studies in digital poetics

chapter 1: some sentiment analysis

chapter 2: frequencies

chapter 3: topic models

addendum

dichtung und digitalisierung. statement, poesiefestival berlin 2015

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